Ein Lebenszeichen

In einer anderen Welt wären wir gerade mitten in den Vorbereitungen zu unserem jährlichen Open Air Festival am Attersee. Wir hätten in den vergangenen Wochen eine Reihe von Konzerten und Clubnächten verteilt über Österreich veranstaltet – und heute wohl ein paar graue Haare weniger am Kopf. Es hat nicht sein sollen.

Wie alle Musikschaffenden und die gesamte Branche um sie herum hat das Virus auch uns hart getroffen. Monatelange, oft jahrelange Pläne haben sich über Nacht in Luft aufgelöst, Investitionen sind lautlos verpufft, längerfristiges Planen ist nach wie vor schwer möglich. Was uns nach drei Monaten Krise aber am meisten fehlt: der persönliche Kontakt, die Gespräche an der Bar nach einem Konzert, die zufälligen Treffen auf der Straße, in Backstageräumen, in Clubs.

Dieser Newsletter soll ein Lebenszeichen sein und ein Versuch, in Kontakt zu bleiben. Einmal im Monat (und nicht öfter, versprochen!) stellen wir hier neue Musik von Künstlerinnen und Künstlern vor, mit denen wir zusammenarbeiten. Noch nie zuvor war bei uns so viel unveröffentlichte Musik in der Pipeline wie jetzt gerade und wir können es tatsächlich fast nicht mehr erwarten, die spannenden Neuigkeiten endlich mit der Welt zu teilen. Auch eine Handvoll neue Projekte werden wir noch dieses Jahr auf die Bühne heben, mehr dazu dann in zwei, drei Monaten. Außer Cliffhangern kommen dann auch noch Leseempfehlungen, persönliche Meinungen und Gedanken – und, so hoffen wir, bald auch wieder Konzerttermine.

MUSIK

Du bist, was du konsumiert – in seiner neuen Single „Good News“ widmet sich Ant Antic erneut der emotionalen Macht von Informationen und Medien. Die nie enden wollende Flut von Nachrichten ist eines der zentralen Themen seines bevorstehenden zweiten Albums „Good Vids, Vile Times“. Was macht das konstante Bombardement von Informationen und schlechten Nachrichten mit einer Person, was mit ihrer Psyche? Was geht dabei verloren?

Als Kind der ersten weltweit vernetzen Generation beobachtet Sänger und Produzent Tobias Koett, wie geographische Grenzen zunehmend verschwimmen und sich Menschen einander näher, verbundener fühlen – überwältigt von unendlichen Möglichkeiten gleichzeitig aber zu oberflächlichen Nihilisten werden. In Clickbait-tauglichen Phrasen maßgeschneidert für kurze Aufmerksamkeitsspannen führt er vor Augen, wie obsessiv und gleichzeitig phlegmatisch wir mit Nachrichten und Informationen umgehen. Wie ein Mantra dreht sich der Chorus des Songs wieder und wieder um zwei Gegenpole: ein Bombardement – von guten Neuigkeiten.

„Good Vids, Vile Times“, das zweite Album von Ant Antic, erscheint am 25. September. Die limitierte pinke 12″ Vinyl LP kann ab sofort vorbestellt werden, die  aktuelle Single „Good News“ gibt es überall, wo es Musik gibt.

Clubmusik zu veröffentlichen fühlt sich seltsam an, wenn Clubs geschlossen und Festivals abgesagt sind. Oberst & Buchner haben einen wundervollen Remix auf Heimlich Musik veröffentlicht, sehnsüchtige Erinnerungen an lange Nächte am Dancefloor inklusive.

Für eine Kampagne von Vöslauer hat Maximilian Walch mit Ferdinand (fka Leftboy) einen Song produziert, der sich als hartnäckiger Ohrwurm entpuppt hat. Alle Einnahmen gehen an das Rote Kreuz und den Roten Halbmond und helfen den von Corona am härtesten getroffenen Menschen.

& MEHR

Der Mord an George Floyd durch einen Polizisten darf auch hier nicht unkommentiert bleiben. Rassismus und Polizeigewalt gegenüber People Of Color sind keine Einzelfälle, weder in den USA noch hier in Österreich. Mit den Worten der Bürgerrechtlerin Angela Davis: in einer rassistischen Gesellschaft reicht es nicht, nicht rassistisch zu sein – wir müssen anti-rassistisch sein. Zuhören und sich informieren ist dabei ein wichtiger erster Schritt, spenden an Aktivistinnen und Aktivisten ein notwendiger zweiter. Stellen wir uns gemeinsam und solidarisch gegen jede Form von Rassismus!

„Fuck it, why wait. The world is infested with bullshit so here’s something raw to listen to while you deal with it all“, schreiben Run The Jewels und veröffentlichen ihr viertes Album „RTJ4“ früher als geplant – und gratis. Die beiden Künstler bitten um Spenden an das Mass Defense Committee, eine Organisation die Protestierende rechtlich unterstützt.

Spotify zahlt aktuell rund 0,003 € pro Play aus – verständlich, dass Künstlerinnen und Künstler auf der ganzen Welt ihre Arbeit nicht fair entlohnt sehen und höhere Auszahlungen fordern. Wie das funktionieren könnte (und wie nicht) zeigt ausführlich dieser Artikel.

Um Musikerinnen und Musiker zu unterstützen hat Bandcamp in den letzten Monaten bereits mehrmals einen Tag lang auf die Provision auf Verkäufe von Musik und Merch verzichtet. Innerhalb von 24 Stunden haben Fans eine Rekordsumme von 7 Millionen Dollar an Musikschaffende bezahlt. An den ersten Freitagen im Monat wird Bandcamp auch im Juni und Juli wieder auf Anteile an Verkaufserlösen verzichten. Immer wieder wurden wir in den vergangenen Wochen gefragt, wie man gerade jetzt Musikerinnen und Musiker am besten unterstützen kann – indem man ihre Musik und Merch kauft, und zwar so direkt wie möglich.

Warum die unzähligen Live-Streams der letzten Wochen Musikschaffenden längerfristig mehr schaden werden als sie ihnen jetzt helfen? Jakob Bouchal und andere Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Musikszene haben mit mica music austria über die Lage der Branche gesprochen.

Der Jahrhundertsong „Rolling In The Deep“ und das großartige Album „21“ von Adele wurden vor 10 Jahren veröffentlicht. Wer sich alt fühlen möchte, hier entlang.