Auf und ab, hin und her

Es ist Juli, seit gestern – auch wenn es uns schwerfällt, das zu glauben. Der innere Kalender im Kopf sagt April, allerhöchstens Mitte Mai. Nach Sommer fühlt sich es sich jedenfalls noch nicht an. Viele Fixpunkte im Musikkalender fehlen dieses Jahr: das Donaukanaltreiben, die Open Air Konzerte in der Arena, das Stream Festival in Linz und unser Festival am Attersee. Das Popfest am Karlsplatz, und die langen Abende im Vestibül.

Unsere Arbeit in den letzten Wochen war vor allem geprägt durch ein hin und her, ein auf und ab. Die aktuellen Lockerungen haben wieder Perspektiven für den Kulturbetrieb eröffnet, und die Senkung der Umsatzsteuer auf Konzerttickets von 13% auf 5% bis Jahresende war ein richtiger und wichtiger Schritt. Aus Veranstalterperspektive sind Konzerte leider jedoch weiterhin mit sehr viel Risiko behaftet und daher weiterhin wenig attraktiv. Zu viele unbekannte Faktoren gibt es zu bedenken und zu kalkulieren: Werden Konzerte unter den geltenden Auflagen vom Publikum angenommen? Hat die Zielgruppe überhaupt noch genug Zahlungskraft für Konzerttickets und Merchandise? Wie entwickeln sich die Infektionszahlen? Was passiert mit ausgelegten Reisekosten, wenn Auftritte österreichischer Künstler*innen im Ausland (oder umgekehrt) infolge von Grenzschließungen kurzfristig unmöglich werden? Wer trägt die Verantwortung, wenn sich bei einer Veranstaltung viele Menschen anstecken?

Nach wie vor sind Musikschaffende, Agenturen, Konzertvenues und -veranstalter*innen von hohen Ausfällen betroffen, und so gut wie alle Bereiche der Musikwirtschaft sehen sich mit fehlender Planungssicherheit konfrontiert. Deshalb und trotz allem freut es uns besonders, hier zum ersten Mal auch endlich wieder Konzerte ankündigen zu können – nicht viele, aber immerhin. Bleibt zu hoffen, dass uns die zweite Welle nicht davor überrollt.

MUSIK

Die schönste Neuigkeit gleich zuerst: wir freuen uns sehr, an dieser Stelle ein neues Mitglied in der Matches Music Familie begrüßen zu dürfen. Groß vorzustellen brauchen wir Nico Mpunga wohl nicht, viele kennen den kongolesisch-österreichischen Musikproduzenten, Sänger und Multiinstrumentalisten schon länger unter dem Pseudonym Kimyan Law.

Aus Perkussions- und Zupfinstrumenten sowie einer Vielzahl an Gegenständen und Geräuschen aus dem Alltag konstruiert er eindrucksvolle Klanggebäude cinematischer Dimension. Er orientiert sich an der Harmonik ethnisch afrikanischer, asiatischer und klassischer Musik, sein musikalisches Spektrum reicht dabei von Fractal-Drum’n’Bass über Ambient bis zu Sounddesign. Nico spricht viel über die Symbolik und Bedeutung seiner Musik, entwirft ganze Bild- und Gedankenwelten um sie herum und bettet seine Werke in komplexe Narrative ein.

Ein Videoportrait des Wiener Filmemacher*innenkollektivs They Shoot Music, Don’t They zeigt den jungen Künstler bei einer Performance unter einem Autobahnkreuz in Wien Donaustadt. Sein aktuelles Album „Yonda“ ist 2019 auf dem britischen Label Blu Mar Ten Music erschienen. Willkommen in der Familie, Nico, wir freuen uns auf eine spannende Zeit miteinander!

Der kreative Output von Maximilian Walchkönnte diesen Newsletter alleine locker ausfüllen – und das wohl sogar öfters als einmal im Monat. Aktuell ist er für das Mixing der neulich erschienenen Single „Same Again“ von Please Madame verantwortlich, und hat einige spannende Projekte in der Pipeline. Mehr dazu demnächst.

Einen sehr persönlichen und intimen Einblick in die Jugend von Tobias Koett gewährt „Strong“, die neue Single von Ant Antic. Ein Song über den selbstauferlegten Druck, stark zu sein, nach außen immer härter, erfolgreicher und stärker scheinen zu müssen. Und über das befreiende Gefühl, endlich die Maske fallen zu lassen und zu lernen, sich selbst zu akzeptieren.

& MEHR

Der spanische Konzeptkünstler Eugenio Ampudia hat am 22. Juni, einen Tag nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Spanien, in einem Opernhaus in Barcelona ein „Konzert für das Biozän“ inszeniert. Dabei spielte ein Streichquartett unter anderem Puccinis „Crisantemi“ – vor einem Publikum von 2292 Pflanzen.

Musikjournalismus in der Krise: mit Mixmag hat Anfang der Woche eines der wichtigsten Magazine für elektronische Musik seine Printausgabe bis 2021 pausiert. Der Gründer von Stereogum, einem der größten Musikblogs weltweit, denkt laut über ein Crowdfunding nach. Viele der großen Musikmagazine und -blogs sind auf Werbeeinnahmen angewiesen – und straucheln jetzt, weil Werbebudgets wegen Corona gekürzt wurden.

„What we, the virtual meeting attendees, all gained in weird, exhilarating intimacy, artists and venues lost in revenue.“, schreibt die britische Musikkritikerin Kitty Empire über Live-Streams und virtuelle Konzerte. Über die Auswirkungen für Musikschaffende und Konzertveranstalter*innen spricht sie mit Betroffenen in einem Artikel im Guardian unter folgender Überschrift: The future of music: ‘No one has anything positive to say about physically distanced gigs. At all’.

Unter dem Namen Nachtigall haben drei bekannte Gesichter der elektronischen Musikszene in Wien einen Podcast ins Leben gerufen, der sich ebendieser Szene widmet und den Mehrwert von Subkultur vermitteln möchte. Noch stärker als in anderen Bereichen sind Engagements hier von Prekariat und Förderungen abhängig. Zu Gast in der ersten Episode sind zwei Vorständinnen der IG Kultur Wien, der Interessensvertretung der freien und autonomen Szene Wiens. Sie sprechen mit den Hosts Maria Danilina, Sandro Nicolussi und Ernst Huber über Verwertungszwang und die Überlebensfrage vor und nach Corona.

ForTunes ist eine App für Musiker*innen, Labels und Agenturen, die in Wien entwickelt wurde. In Echtzeit bietet sie einen Überblick, wo und wie Musik gespielt, gelistet und erwähnt wird. Meilensteine wie redaktionelle Playlists und Blogposts werden dabei ebenso automatisch erkannt wie Fan-Uploads und Kommentare auf unterschiedlichen Plattformen. Wir gratulieren Florian und Christoph zum Investment und möchten die App allen Musikschaffenden wärmstens empfehlen.

Über 400 rassistische Vorfälle wurden im Juni in den ZARA-Beratungsstellen gemeldet – damit gingen  bei der Organisation für Zivilcourage und Anti-Rassimus-Arbeit mehr Meldungen ein als je zuvor. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass es in letzter Zeit mehr rassistische Vorfälle gab als sonst, sondern, dass durch die mediale Aufmerksamkeit und die öffentliche Thematisierung in den letzten Wochen mehr Vorfälle sichtbar bzw. gemeldet werden. Wer die Arbeit von ZARA finanziell unterstützen möchte und kann, hier entlang

TERMINE

12.09. Ant Antic – Milde Möhre Festival, Drebkau DE
10.10. Oberst & Buchner – Kauz, Zürich CH
16.10. Oberst & Buchner – Gassen aus Zucker, Flex, Wien AT
17.10. Ant Antic – Album Release Show, Fluc, Wien AT